Asthma bronchiale – Umgang mit der Erkrankung und Tipps zur Selbsthilfe

Eine chronische (=dauerhafte) Erkrankung ist immer auch eine seelische Belastung. Viele Patienten möchten nicht ständig an die Erkrankung erinnert werden und wollen sie oft zunächst nicht wahrhaben. Es ist ihnen lästig, an die Medikamente zu denken, zum Arzt zu gehen oder regelmäßig ihren Peak-Flow zu messen. Sie möchten auch nicht, dass andere ihre Krankheit bemerken. Doch die aktive Mitwirkung des Patienten ist von außerordentlicher Bedeutung. Nur eine dauerhaft und regelmäßig durchgeführte Behandlung kann langfristig Erfolg haben.

Manche Patienten nehmen ihre verordneten Medikamente nicht regelmäßig, weil sie meinen, es ginge ihnen auch ohne gut. Dies mag für eine kurze Zeit vielleicht sogar zutreffen. Wichtig ist aber, eine dauerhafte Entzündungskontrolle zu erreichen. Das Absetzen der Medikamente führt zu einer Verschlechterung der Lungenfunktion und man benötigt oft Wochen, um den vorherigen Stand der Behandlung wieder zu erreichen. Andere Patienten nehmen die Medikamente nicht, weil Sie Nebenwirkungen befürchten. Die modernen Medikamente zum Inhalieren sind so niedrig wie möglich dosiert, um das Risiko von Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten. Die Folgen einer Nichtbehandlung sind meist deutlich schwerwiegender als mögliche Nebenwirkungen der Medikamente. Auch wenn Sie eine positive Wirkung der Therapie nicht sofort spüren, müssen Sie Ihre Medikamente regelmäßig einnehmen.

Vor allem die antientzündlichen Medikamente entfalten ihre volle Wirkung erst nach ungefähr zwei Wochen Behandlung, wirken dann aber dauerhaft. Geduld zahlt sich hier für die Gesundheit aus. Die Medikamente zur Behandlung obstruktiver Atemwegserkrankungen (Asthma und COPD) machen nicht abhängig. So wie ein Mensch, der Diabetes (Zuckerkrankheit) hat, regelmäßig Tabletten nehmen oder Insulin spritzen muss, benötigt ein Mensch, der eine obstruktive Atemwegserkrankung hat, regelmäßig seine Medikamente zum Inhalieren.

 

Selbsthilfe

Um mit chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen (Asthma,COPD, Emphysem) besser leben zu können, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, die helfen, das Fortschreiten der Erkrankung zu verzögern und die Beschwerden abzumildern. Zunächst gilt es, die verordneten Medikamente regelmäßig anzuwenden. Doch auch nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden können die Therapie ergänzen. Der erste Schritt ist dabei, so weit wie möglich schädliche Belastungen der Lunge zu vermeiden. Eine wichtige Maßnahme ist es auch, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten sportlich zu betätigen, selbst wenn es am Anfang nur kleine Spaziergänge sein sollten. Auch das Erlernen atemerleichternder Körperstellungen und einfacher Atemtechniken kann helfen. Für vertieftes Wissen über die Erkrankung, die Behandlungsmöglichkeiten und Maßnahmen zur Vorbeugung sei noch auf die Möglichkeit verwiesen, an einer Patientenschulung teilzunehmen. Die Kosten für diese Kurse werden von den meisten Krankenkassen für Patienten, die an Chroniker-Programmen teilnehmen (auch Disease Management Programme genannt), vollständig übernommen. Diese Programme gibt es für Asthma und COPD - fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Krankenkasse, wo und wann Schulungen in Ihrer Nähe stattfinden.

Allergien

 

Tierhaare

Wenn die Möglichkeit besteht, trennen Sie sich von dem Tier, auf dessen Haare oder Hautschuppen Sie allergisch reagieren. Wenn nicht, halten Sie das Tier aus Bett und Schlafzimmer fern, wenn möglich, halten Sie das Tier außerhalb des Hauses. Lassen Sie den Schlafplatz oder den Stall des Tieres regelmäßig von einem anderen, nicht allergisch reagierenden Familienmitglied reinigen. Ebenso sollte die Fellpflege von jemand anderem übernommen werden und grundsätzlich im Freien durchgeführt werden.

 

Hausstaubmilben

Da sich Milben am liebsten in Matratzen, Vorhängen, Polstermöbeln und Teppichen aufhalten, sollte die Einrichtung der Wohnung gegebenenfalls verändert werden. Ersetzen Sie Stoffvorhänge durch Jalousien. Entfernen Sie wenn möglich Teppiche oder Teppichböden und ersetzen Sie diese durch abwischbare Böden. Nutzen Sie Bettzeug, das bei 60 °C waschbar ist. Überziehen Sie Ihre Matratze mit einer speziellen, milbendichten Umhüllung (Encasing). Lüften Sie täglich Ihre Wohnung. Milben leben auch im Fell und in den Schlafstellen von Haustieren, deshalb sollte auch die Tierhaltung überdacht werden.

 

Pollen

Meiden Sie an sonnigen und windigen Tagen alle körperlichen Tätigkeiten im Freien. Nutzen Sie Informationsdienste über den Pollenflug, berücksichtigen Sie den Pollenflug bei Ihrer Reiseplanung. Schlafen Sie nachts nicht mit offenem Fenster, da in den frühen Morgenstunden bereits der Pollenflug einsetzt. Lüften Sie stattdessen abends. Trocknen Sie Ihre Wäsche nicht im Freien, die Pollen verfangen sich darin. Waschen Sie sich abends die Haare.

Nutzen Sie Pollenfilter, z. B. im Auto oder im Staubsauger. Fahren Sie im Auto mit geschlossenem Fenster.

 

Schimmelpilzsporen

Lüften Sie regelmäßig Ihre Wohnung. Verbannen Sie Blumentöpfe, vor allem Hydrokulturen, nach draußen. Lassen Sie zwischen Ihren Möbeln und der Wand immer einen Lüftungsraum, vor allem an Außenwänden. Feuchte Wände müssen saniert werden. Verwenden Sie keine Luftbefeuchter und Klimaanlagen in Ihrer Wohnung.

 

Ansteckung vermeiden

Vermeiden Sie - vor allem in der Erkältungszeit - überfüllte Verkehrsmittel und Menschenansammlungen. Waschen Sie sich nach Kontakt mit möglicherweise erkälteten Menschen immer die Hände. Ernähren Sie sich vitaminreich und vielseitig, meiden Sie Nikotin und Alkohol.

Nutzen Sie die Gelegenheit zur Abhärtung, wie z. B. Wechselduschen und Saunabesuche, unternehmen Sie viele Spaziergänge an der frischen Luft und tragen Sie dabei dem Wetter angepasste Kleidung. Gegebenenfalls kommt für Sie eine Schutzimpfung gegen Grippe und/oder Pneumokokken (dem häufigsten Erreger der Lungenentzündung) in Frage. Fragen Sie dazu Ihren Arzt.

 

Rauchen

Das Rauchen verschlechtert die Prognose bei Asthma. Die Überempfindlichkeit der Bronchien kann durch Rauchen verstärkt werden. Die Wirksamkeit Ihrer Asthmamedikamente kann vermindert bzw. beeinflusst werden. Sie sollten deshalb auf das Rauchen verzichten. Hier finden Sie einige Tipps, die Sie unterstützen sollen, wenn Sie sich das Rauchen abgewöhnen möchten.

 

Asthma und Schwangerschaft

Gerade in der Schwangerschaft ist es besonders wichtig, dass Ihr Asthma bestmöglich eingestellt ist, damit Ihr heranwachsendes Kind immer ausreichend mit Sauerstoff versorgt ist. Asthma wird deshalb prinzipiell genauso behandelt, wie außerhalb der Schwangerschaft. Ziel der Behandlung sollte sein, dass Sie beschwerdefrei sind und Ihr Notfallmedikament möglichst selten einsetzen müssen.

Bedenken Sie: Das Risiko eines unkontrollierten Asthmas ist für das ungeborene Kind viel größer als das einer notwendigen Behandlung. Führen Sie gleich zu Anfang der Schwangerschaft ein Gespräch mit Ihrem Hausarzt oder Lungenfacharzt über die Therapie in dieser Zeit. Lassen Sie auch regelmäßig prüfen, ob Ihr Asthma weiterhin gut eingestellt ist. Das Asthma kann durch die Schwangerschaft beeinflusst werden. Bei manchen Patientinnen verbessert es sich, manchmal verschlechtert es sich aber auch. Sofern bekannt und möglich, sollten Sie Asthmaauslöser meiden (z. B. Stoffe, auf die Sie allergisch reagieren).

Auf das Rauchen sollten Sie auf jeden Fall verzichten: Nicht nur Ihre eigene Gesundheit, auch die Ihres Kindes wird das Rauchen in der Schwangerschaft nachhaltig beeinträchtigt. Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft geraucht haben, leiden viel öfter an Allergien und Atembeschwerden.

 

Asthma und Sport

Gerade auch Patienten mit obstruktiven (einengenden) Atemwegserkrankungen profitieren von Bewegung und Sport. Besonders geeignet sind Sportarten mit gleichmäßiger Ausdauerbelastung, wie z. B. Wandern, Walking, Joggen, Golf, Schwimmen, Skilanglauf, Tourenradfahren, Rudern, Paddeln, Tanzen, leichtes Krafttraining. Ungeeignet sind Sportarten mit plötzlicher, schneller und anstrengender Belastung wie z. B. Mannschaftsspiele, Tennis, Radrennen, Mountainbikefahren. Die körperliche Leistungsfähigkeit wird gesteigert, die  für die Atmung wichtigen Muskeln werden gestärkt. Durch Sport und Bewegung wird der Bewegungsapparat gekräftigt  und  der Osteoporose vorgebeugt. Ein positives Lebens- und Selbstwertgefühl wird gefördert und Atemnot geringer empfunden. Außerdem werden die körpereigener Abwehrkräfte gestärkt.

 

Asthma bei Kindern

Vom Arzt haben Sie erfahren, dass die anhaltenden Beschwerden Ihres Kindes nicht nur eine verschleppte Erkältung sind, sondern dass der oft nächtliche quälende Husten und die rasselnden und pfeifenden Geräusche eine andere Ursache haben. Er sprach von Asthma - und hat Sie damit gehörig verschreckt. Sie erinnern sich möglicherweise an Familienangehörige, die früher mit dieser Krankheit ein eingeschränktes Leben führten. Das muss heute nicht mehr sein. In der Medizin sind gerade auf diesem Gebiet viele neue Erkenntnisse gewonnen worden, die Ihrem Kinde zugute kommen können. Mehr Informationen zu Asthma bei Kindern unter www.ateminfo-jugend.de

 

Asthma und Reisen

Eine obstruktive Atemwegserkrankung schließt eine Urlaubsreise - auch in weit entfernte Regionen - nicht grundsätzlich aus. Vor Antritt der Reise sollten Sie jedoch mit Ihrem behandelnden Arzt klären, ob die geplante Reise und besonders ein Langstreckenflug ratsam sind.

Richtig Atmen

Eine zu angestrengte, pressende und zu kurze Ausatmung kann zu einer Überblähung der Lunge führen. Durch die Anstrengung fallen die instabilen kleinen Atemwege zusammen. Die Luft bleibt in der Lunge gefangen und kann nicht mehr entweichen. Dadurch verstärkt sich die Atemnot. Dagegen hilft die dosierte Lippenbremse. Dabei wird der Atemstrom in der Lunge abgebremst und gegen den Widerstand der Lippen ausgeatmet. Die Bronchien bleiben durch den erhöhten Innendruck länger geöffnet, so dass besser ausgeatmet werden kann. Die Ausatemluft strömt gleichmäßiger und vollständiger aus.

Die atemerleichternden Körperstellungen

Ziel der atemerleichternden Körperstellungen ist es, den Brustkorb vom Gewicht der Arme zu entlasten. Sind die Arme abgestützt, kann die Atemhilfsmuskulatur des Brustkorbs bei der Atmung unterstützend mitarbeiten. Außerdem wird im Bauchraum Platz für eine entspannte, tiefe Atmung geschaffen.

Die Lippenbremse hilft Ihnen in Situationen mit Atemnot und bei körperlicher Belastung.

Lippenbremse

Dazu werden die Lippen schmal so übereinander gelegt, dass die Luft beim Ausatmen - ohne zu pressen - nur durch einen schmalen Spalt entweichen kann. Die Oberlippe ist etwas vorgestülpt und die Unterlippe gering zurückge-zogen. So kann die Luft mit einem lang gezogenen "fffffff…" nach unten entweichen. Stellen Sie sich dabei vor,

Sie wollten etwas Watte auf einem Tisch vorsichtig wegpusten.

 

Torwartstellung

Ist keine Sitzgelegenheit vorhanden, dient auch das Abstützen der Arme im Stehen auf einer festen Unterlage (z. B.Tischplatte, Treppengeländer) oder auf den eigenen, leicht gebeugten Oberschenkeln ("Torwartstellung")  demselben Zweck.

Kutschersitz

Setzen Sie sich auf die vordere Hälfte eines Stuhls. Die Beine sind leicht gespreizt, um dem Bauch nach unten Platz zum Atmen zu lassen.

Die Unterarme werden auf den Oberschenkeln nahe der Knie abgestützt.

Benutzen Sie diese hilfreichen Stellungen, wann immer Sie unter Atemnot leiden.